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Großes Unverständnis herrscht in Österreichs Provider-Szene über die
Sperre des Mail-Servers der heimischen Registry nic.at durch
Spamhaus.org: Von "Wildwest-Methoden" und "radikalen Weltverbesserern"
ist die Rede. Obwohl Blacklists wichtig seien, wächst die Skepsis.
"Die Anti-Spam-Szene ist genauso radikal wie die Spammer selbst", sagt
etwa Wolfgang Breyhar, Postmaster der Uni Wien und Initiator der
ISPA-White-List, "auch wenn sie sich selbst als Weltverbesserer sehen."
Die Uni Wien sei als Upstream-Provider von nic.at von Spamhaus.org
ebenfalls unter Druck gesetzt worden, für den Fall des Falles gebe es
für die rund 90.000 Account-Inhaber der Universität jedoch eine
Ausweichlösung, so Breyher.
"Weit verbreitet"
Die Frage, warum Spamhaus überhaupt so eine Macht besitzt, eine ganze
Registry derart unter Druck zu setzen, sei leicht erklärt: "Sie können
einen großen Hebel ansetzen, weil sie weit verbreitet sind." In
SpamAssassin ist Spamhaus.org etwa per Default eingestellt.
Prinzipiell seien Blacklists gegen Spam eine gute Sache, so Breyhar
weiter, allerdings immer mit Vorsicht zu genießen: "Ich würde eine
solche Blacklist niemals zum Hardblocken verwenden." "Erstaunliche Marktmacht" Michael
Haberler von der Internet Privatstiftung Austria [IPA] wundert sich
über die "erstaunliche Marktmacht" von Spamhaus.org.
Auch Haberler sieht das Problem darin, dass die Spamhaus-Listen meist
per Default in den Mail-Servern genutzt werden. Wolle man sich nicht
darauf verlassen, müsse man sie extra herausnehmen.
Spamhaus in Österreich?
Wie viele und welche Provider in Österreich sich beim Spam-Filtern auch
auf Spamhaus.org verlassen, ist derzeit nicht abschätzbar.
Einige Serviceanbieter wie Ikarus, die für die Telekom Austria auch
einen Spam-Filter in ihrem eigenen Scan-Center betreiben, verzichten
ganz bewusst auf Spamhaus. "Dort wird völlig willkürlich gesperrt",
erläutert Joe Pichlmayr von Ikarus den Grund dafür. Auch international in Verruf Spamhaus.org
sei auch international schon ein Problem geworden, erklärt Kurt
Einziger, Generalsekretär der Internet Service Provider Austria [ISPA].
"Die haben einfach keine ordentliche Policy", meint Einziger - eine
Beurteilung, die übrigens alle Befragten mit ihm teilen. Auf Seiten von
Spamhaus fehle ein klares Regelwerk, das das Vorgehen der Initiative
berechenbar mache.
"Wäre ich ein Provider, würde ich sie allerdings wohl auch verwenden -
an sich sind ja Blacklists eine gute Sache. Nur fehlt in diesem Fall
eine ordentliche Kontrollinstanz", so Einzinger - auch hierbei sind
sich im Grunde alle einig.
"Pure Verzweiflung"
Womit die Diskussion beim eigentlichen Problem gelandet wäre: Warum -
wenn schon bekannt ist, dass Spamhaus und Konsorten eigenmächtig und
nicht immer nahvollziehbar handeln und offenbar auch nicht mit sich
reden lassen - verlassen sich die Provider dann auf deren Dienste?
"Ich kann es mir nur mit purer Verzweiflung in ihrem Kampf gegen Spam
erklären", meint Richard Wein, Geschäftsführer von nic.at, für den
Spamhaus schlicht mit "Wildwest-Methoden" agiert. "Die hängen zehn auf
und denken sich, einer wird's schon gewesen sein." |